Violine
Giovanni Paolo Maggini
Brescia, c. 1620
Die Violine von Giovanni Paolo Maggini aus der Zeit um 1620 zählt zu den eindrucksvollen Zeugnissen der Brescianer Geigenbauschule des frühen 17. Jahrhunderts. Maggini gilt als bedeutendster Vertreter dieser Tradition und entwickelte auf Grundlage der Arbeiten seines Lehrers Gasparo da Salò einen eigenständigen Stil, der die Entwicklung der Violine nachhaltig beeinflusste. Gemeinsam mit da Salò machte er Brescia neben Cremona zu einem der beiden wichtigsten Zentren des frühen italienischen Geigenbaus, auch wenn die Werkstatt nach seinem Tod 1630/31 – vermutlich im Zuge einer Pestepidemie – keine Fortsetzung fand und die Brescianer Schule dadurch vergleichsweise wenige erhaltene Instrumente hinterließ.
Charakteristisch für dieses Instrument sind die großzügigen Proportionen, die kraftvoll modellierten Wölbungen und der tief leuchtende rotbraune Lack. Der zweiteilige Boden aus geflammtem Ahorn sowie die fein gemaserte Fichtendecke verleihen der Violine eine markante optische Präsenz, die typisch für Magginis Arbeiten ist. Auffällig ist zudem die für Maggini typische doppelte Randeinlage (Doppel-Purfling), die bei vielen seiner Instrumente zu finden ist und sie von den meisten anderen italienischen Bauschulen unterscheidet. Wie bei vielen Instrumenten seiner Zeit wurden einzelne Bestandteile im Laufe der Jahrhunderte angepasst; die Kopfpartie stammt vermutlich aus späterer Zeit, während die Korpusmaße reduziert wurden – eine gängige Praxis, da die ursprünglich oft recht große Bauweise Magginis später an modernere Spielgewohnheiten angepasst wurde.
Klanglich werden Maggini-Geigen besonders für ihre warme, dunkle und resonanzreiche Tonfarbe geschätzt. Die Instrumente verbinden große klangliche Tiefe mit bemerkenswerter Tragfähigkeit und besitzen eine charakteristische Ausdruckskraft, die sie sowohl für Solisten als auch für Kammermusiker attraktiv macht. Zu den bekanntesten Musikern, die auf Maggini-Instrumenten spielten, zählte im 19. Jahrhundert unter anderem der norwegische Virtuose Ole Bull, dessen Vorliebe für den kraftvollen Klang dieser Geigen zu ihrer wachsenden Wertschätzung beitrug.
Giovanni Paolo Maggini steht am Übergang von den frühen norditalienischen Streichinstrumenten zur klassischen Violine. Seine Arbeiten beeinflussten zahlreiche spätere Geigenbauer und gelten heute als bedeutende Zeugnisse einer Epoche, in der sich die Form und Klangästhetik des modernen Streichinstruments entscheidend herausbildeten. Diese Violine von etwa 1620 verkörpert eindrucksvoll die handwerkliche Eigenständigkeit und den unverwechselbaren Klangcharakter der Brescianer Schule.
Fotos: © Tarisio, New York
Violine
Giovanni Paolo Maggini | »Dumas«
Brescia, um 1610
Die sogenannte „Dumas"-Violine von Giovanni Paolo Maggini zählt zu den bedeutenden erhaltenen Instrumenten der frühen italienischen Geigenbaukunst. Entstanden in Brescia um 1610–1620, repräsentiert sie jene traditionsreiche Schule, die noch vor Cremona zu den wichtigsten Zentren des europäischen Streichinstrumentenbaus gehörte. Giovanni Paolo Maggini war der bedeutendste Schüler von Gasparo da Salò und entwickelte eine unverwechselbare eigene Formensprache. Seine Instrumente zeichnen sich durch großzügige Proportionen, tief ausgearbeitete Wölbungen und häufig doppelte Einlagen aus – Merkmale, die bis heute als charakteristisch für den Brescianer Geigenbau gelten.
Die „Dumas" gilt als eines der berühmtesten Maggini-Instrumente überhaupt und war eine der wenigen Geigen, die vor dem Zeitalter der Fotografie eigens porträtiert wurden – gleich drei solcher Gemälde entstanden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. In der 1892 erschienenen Maggini-Monografie von Margaret Huggins wurde sie als besonders makelloses Exemplar hervorgehoben: Die Feinheit der Ausführung war so bemerkenswert, dass manche Zeitgenossen zunächst an einer modernen Fälschung zweifelten – ein Irrtum, den W. E. Hill & Sons in ihrem Echtheitszertifikat klar widerlegten, das die Violine auf etwa 1610–1620 datiert.
Ihre Geschichte lässt sich über mehr als ein Jahrhundert lückenlos zurückverfolgen: In den 1880er-Jahren befand sie sich als Teil eines seltenen fünfteiligen Maggini-Ensembles – zwei Violinen, eine Bratsche, ein Cello und ein kleiner Kontrabass – im Besitz der Familie Dumas auf einem Schloss bei Lyon, wo Alfred Hill sie erstmals zu Gesicht bekam. Als „Perle" dieser Sammlung gelangte sie 1890 nach London und wechselte in der Folge mehrfach den Besitzer, unter anderem an Baron Knoop, der sie zwanzig Jahre behielt, sowie an den Sammler Richard Bennett. 1958 erwarb schließlich Gerald Segelman das Instrument über W. E. Hill & Sons für 2.750 Pfund.
Die „Dumas" verbindet die kraftvolle Klangsprache Magginis mit außergewöhnlicher klanglicher Tiefe und Wärme. Besonders geschätzt werden die dunkle, tragfähige Tonfarbe sowie die große Resonanz des Instruments, die Maggini-Geigen seit Jahrhunderten bei Solisten und Sammlern gleichermaßen begehrt machen. Wie viele bedeutende historische Instrumente trägt auch diese Violine den Namen eines früheren Besitzers und steht exemplarisch für die lange europäische Aufführungs- und Sammlungstradition, die mit den großen italienischen Meisterinstrumenten verbunden ist.
Fotos: © Tarisio, New York
Violine
Nicolò Amati
Cremona, 1666
Die Violine von Nicolò Amati aus dem Jahr 1666 entstand in der späten Schaffensphase des bedeutenden Cremoneser Geigenbauers und zählt zu den besonders charaktervollen Instrumenten seiner Werkstatt. Sie verbindet die elegante Linienführung der Amati-Schule mit einer bemerkenswert kraftvollen und ausgewogenen Klangsprache.
Auffallend ist das außergewöhnlich geflammte Ahornholz von Zargen, Wirbelkasten und Schnecke, dessen lebendige Struktur durch den warmen goldbraunen Lack besonders zur Geltung kommt – die Oberseiten des Wirbelkastens sind dabei etwas flacher gearbeitet als bei Amati sonst üblich, was das spektakuläre Holz von vorne perfekt zeigt. Der später ergänzte Kopfaufsatz fügt sich nahtlos in das Original ein. Die feine Wölbung und die harmonischen Proportionen zeigen jene handwerkliche Präzision, die Nicolò Amati zu einem prägenden Vorbild für Generationen späterer Geigenbauer machte.
Die Violine befand sich 1943 im Besitz von Walter Rilla in London, der sie über W. E. Hill & Sons erworben hatte – ein weiterer Verkauf während der Kriegsjahre. 1952 gelangte sie zunächst an Gerald Segelmans Bruder Oscar, der sich allerdings mehr für Concertinas als für Geigen begeisterte, bevor sie noch im selben Jahr in Geralds eigene Sammlung überging. 1996 widmete John Dilworth dem Instrument einen ausführlichen Fachartikel im Strad-Magazin, der Ausarbeitung, Wölbung, Holzwahl und Lack eingehend würdigte; zur selben Ausgabe erschien zudem ein großformatiges Poster der Geige.
Trotz ihres Alters befindet sich die Violine insgesamt in einem beachtlich guten Zustand: Sichtbar sind größere ausgebesserte Wurmlöcher im Boden sowie ein reparierter Bassbalkenriss in der Decke, während die Ränder gut erhalten sind. So vermittelt das Instrument bis heute eindrucksvoll die klangliche und handwerkliche Kultur des Cremoneser Geigenbaus des 17. Jahrhunderts.
Fotos: © Tarisio, New York
Violine
Lorenzo Storioni
Cremona, 1788
Die Violine von Lorenzo Storioni aus dem Jahr 1788 zählt zu den eindrucksvollen Beispielen des späten Cremoneser Geigenbaus. Storioni gilt als einer der letzten bedeutenden Meister der klassischen Cremoneser Tradition und führte die große italienische Geigenbaukunst nach Stradivari und Guarneri in einer Zeit des Umbruchs weiter.
Besonders außergewöhnlich ist bei diesem Instrument die dekorative Einlage aus Perlmutt und Ebenholz entlang der Ränder – ein seltenes Detail innerhalb des Cremoneser Geigenbaus des 18. Jahrhunderts, das im Vergleich zur zurückhaltenderen Eleganz etwa der „Rode"-Stradivari eher schlicht anmutet und daher wohl kaum von Storioni selbst, sondern von fremder Hand stammt. Statt die gesamte Kante mit Zierstücken zu belegen, wurden lediglich die äußeren Flächen der Decke und des Bodens eingelegt. Das verwendete Perlmutt stammt von der europäischen Auster und weist kaum die innere Struktur und den bläulichen Schimmer auf, wie man sie von heute gebräuchlichem Abalone-Perlmutt kennt. Solche Verzierungen finden sich nur bei sehr wenigen bekannten Storioni-Instrumenten – ein 1786 entstandenes, ähnlich dekoriertes Exemplar mit feineren Einlagen wurde 1937 in Cremona ausgestellt – und verleihen der Geige eine eigenständige und unverwechselbare Erscheinung.
Trotz ihrer dekorativen Elemente bleibt die Geige ganz dem praktischen Musizieren verpflichtet. Zeitgenössische Beschreibungen heben insbesondere ihren kräftigen, dunklen und kontrastreichen Klang hervor, der für Storionis Arbeiten charakteristisch ist. Seine Instrumente verbinden häufig eine unmittelbare Ansprache mit großer klanglicher Tiefe und individueller Persönlichkeit.
Die Violine wurde 1955 bei Puttick & Simpson für 190 Pfund versteigert und gelangte so in die Sammlung Gerald Segelmans, der noch im selben Jahr ein Echtheitszertifikat dafür einholte. Zuvor befand sie sich unter anderem im Besitz von C. Methley sowie einer Miss B. de Mirimonde. Sie gilt heute als seltenes und charaktervolles Zeugnis der letzten großen Phase des Cremoneser Geigenbaus im 18. Jahrhundert.
Fotos: © Tarisio, New York
Violine
Jean-Baptiste Vuillaume
Paris, 1863
Die Violine von Jean-Baptiste Vuillaume aus dem Jahr 1863 entstand in der späten Schaffensphase des bedeutendsten französischen Geigenbauers des 19. Jahrhunderts. Vuillaume verband höchste handwerkliche Präzision mit einer intensiven Auseinandersetzung mit den großen italienischen Vorbildern, insbesondere Antonio Stradivari. Das Instrument trägt die Nummer 2524 und war vermutlich die letzte Violine, die Vuillaume in diesem Jahr fertigstellte, da die nächste nummerierte Arbeit bereits auf 1864 datiert.
Das Instrument gehört zu einer kleinen Gruppe von Violinen, die sich am berühmten „Messie"-Stradivari von 1716 orientieren, den Vuillaume in jenen Jahren mehrfach kopierte. Charakteristisch sind die elegante Linienführung, die feine Ausarbeitung der Wölbungen sowie die bewusst asymmetrische Stellung der f-Löcher, die Vuillaume – ebenso wie beim historischen Vorbild – bewusst übernahm.
1945 erwarb Gerald Segelman die Geige für 180 Pfund von Albert Arnold; sie blieb bis zu seinem Tod in seinem Besitz und muss ihm besonders am Herzen gelegen haben. Als sie später aus seiner Wohnung geborgen wurde, befand sie sich allerdings in einem denkbar schlechten, verschmutzten Zustand – Segelman war in seinen letzten Lebensjahren zunehmend zurückgezogen und ließ offenbar keinen Geigenbauer mehr an seine Instrumente heran, kümmerte sich aber auch selbst nicht um deren Pflege. Erst nach seinem Tod wurde die Violine von Peter Westermann in Zürich restauriert und präsentiert sich seither wieder in bemerkenswert frischem Zustand; einzig eine leichte Abnutzung an der Deckenkante in der Taille, vermutlich durch ungeschickte Bogenführung oder einen zu steilen alten Steg verursacht, ist noch sichtbar. Der ursprünglich geschnitzte Saitenhalter, den ein Echtheitszertifikat von Hill bestätigt, ist im Laufe der Zeit leider vom Instrument getrennt worden.
Wie viele Arbeiten Vuillaumes verbindet auch diese Violine große klangliche Klarheit mit Tragfähigkeit und Präzision. Seine Instrumente wurden bereits zu Lebzeiten von bedeutenden Solisten geschätzt und zählen bis heute zu den wichtigsten Beispielen französischer Geigenbaukunst des 19. Jahrhunderts.
Fotos: © Tarisio, New York
Violine
Antonio & Girolamo Amati | »Baron Knoop«
Cremona, 1590
Die sogenannte „Baron Knoop"-Violine von Antonio und Girolamo Amati entstand um 1590 und zählt zu den frühen Meisterwerken der Cremoneser Geigenbaukunst. Als Söhne von Andrea Amati führten Antonio und Girolamo die Werkstatt der Familie weiter und prägten entscheidend die Entwicklung der Violine in ihrer heute bekannten Form. Zum Zeitpunkt ihrer Entstehung existierte die Violine bereits, bevor Vivaldi geboren wurde, und war zur Zeit von Bachs Solosonaten und -partiten schon rund 130 Jahre alt.
Trotz ihres hohen Alters zeigt die Violine eine bemerkenswert feine und präzise handwerkliche Ausführung sowie einen für ihr Alter außergewöhnlich frischen Erhaltungszustand: Unter der klaren, transparenten Lackierung ist die Maserung des Holzes durchgehend sichtbar und nachvollziehbar, das Etikett ist noch gut lesbar, und selbst kleine Werkzeugspuren des Geigenbauers an der Schnecke haben sich erhalten. Besonders charakteristisch sind die elegante Linienführung, die sorgfältig gearbeiteten Wölbungen und der warme, goldene Lack, der den Instrumenten der frühen Amati-Schule ihre besondere Ausstrahlung verleiht.
Die Geige trägt den Namen des bedeutenden Sammlers Baron Johann Knoop, dessen Kollektion zu den berühmtesten privaten Instrumentensammlungen des frühen 20. Jahrhunderts gehörte; sein Vater hatte in Estland eine bedeutende Textilindustrie aufgebaut, bevor die Familie um 1900 nach England übersiedelte. Viele der bedeutendsten italienischen Meisterinstrumente gingen zeitweise durch seinen Besitz und tragen bis heute seinen Namen. Zuvor hatte die Violine unter anderem einer englischen Amateurgeigerin namens Way gehört, bevor sie über mehrere Zwischenstationen an Knoop und schließlich 1943 an Gerald Segelman gelangte.
Instrumente der Brüder Amati werden für ihren klaren, feinen und ausgesprochen gesanglichen Klang geschätzt. Gleichzeitig vermitteln sie eindrucksvoll jene Eleganz und Leichtigkeit, die den frühen Cremoneser Geigenbau nachhaltig prägten und späteren Meistern wie Stradivari oder Guarneri als Vorbild dienten.
Fotos: © Tarisio, New York
Violine
Nicolò Amati
Cremona, 1658
Nicolò Amati, geboren 1596 als Sohn des Hieronymus Amati, war der einzige männliche Überlebende der Familie nach den verheerenden Pestjahren der 1630er-Jahre und trug damit fortan die alleinige Verantwortung für die fest etablierte Cremoneser Geigenbautradition. Gilt sein Großvater Andrea als eigentlicher Erfinder der Violine, so war es Nicolò, der das Handwerk in der Mitte des 17. Jahrhunderts zu einem Höhepunkt an Raffinesse und Eleganz führte. Bis sein Schüler Andrea Guarneri sich 1653 selbstständig machte, war er der einzige tätige Geigenbauer Cremonas – und ohne ihn, so wird oft betont, hätte es vermutlich auch keinen Antonio Stradivari gegeben, der als sein Schüler gilt.
Die hier vorgestellte, auf 1658 datierte Violine zeigt Amati auf der Höhe seines Könnens: gefertigt nach seinem berühmten „Grand Pattern"-Modell, mit einem zweiteiligen Boden aus ausgesucht geflammtem, quergesägtem Ahorn und einer Decke aus zwei sorgfältig zusammengefügten Fichtenteilen. Die Wölbung wirkt fließend und organisch, fast wie über die Zargen drapierte Seide – eine für Nicolò typische Bauweise, die Stradivari später durch eine flachere, reduziertere Wölbung bewusst weiterentwickelte. Auch die f-Löcher zeigen die Entwicklung der Amati-Familie deutlich: von den feinen, fast spitz zulaufenden Formen bei Großvater Andrea und Vater Hieronymus hin zu Nicolòs kühnerer, breiter ausgestellter Form, die wiederum Stradivari als Ausgangspunkt für seine eigene Weiterentwicklung diente.
Charakteristisch ist zudem die intensiv gefärbte, elegant zu Spitzen ausgezogene Randeinlage (Purfling), sauber gearbeitet und an den Ecken leicht abgesetzt. Im Korpusinneren findet sich, wie bei vielen Amati-Instrumenten, ein kleines Loch in der Mitte des Bodens – ein bis heute nicht vollständig geklärtes, aber charakteristisches Detail der Amati-Werkstatt. Der Lack schließlich zeigt jenes tiefe, goldbraune Leuchten mit großer Tiefenwirkung, das für Nicolò Amati typisch ist, auch wenn es an Intensität hinter den späteren, tiefroten Lacken Stradivaris zurückbleibt.
Fotos: © Ingles & Hayday, London
Auswahl weiterer Violinen:
Tommaso Carcassi Firenze, 1751
Alessandro Gagliano Napoli, c. 1740
Ferdinando Gagliano Napoli, 1785
Nicolò Gagliano Napoli, c. 1750
Francesco Gobetti Venezia, 1717
Giuseppe Guarneri filius Andrea Cremona, c. 1695
Pietro Antonio Landolfi Milano, 1770-75
Giovanni Battista Rogeri Brescia, 169000
Francesco Rugeri Cremona, 1675
Vincenzo Rugeri Cremona, c. 1710
Giovanni Tononi Bologna, c. 1705
Jean-Baptiste Vuillaume Cannon, Paris, c. 1870
Eine vollständige Übersicht aller verfügbaren und aktuell vermieteten Instrumente erhalten Sie gerne auf Anfrage per E-Mail.
Viola
Jean-Baptiste Vuillaume
Paris, 1874
Die Bratsche von Jean-Baptiste Vuillaume aus dem Jahr 1874 entstand in der späten Schaffensphase des bedeutendsten französischen Geigenbauers des 19. Jahrhunderts. Vuillaume verband höchste handwerkliche Präzision mit einer tiefen Kenntnis der großen italienischen Meister und schuf Instrumente, die bis heute zu den herausragenden Arbeiten des französischen Geigenbaus zählen.
Die Bratsche folgt dem Stradivari-Modell und trägt Vuillaumes internes Kennzeichen, die Werkstattnummer 2994, sowie die Jahresangabe 1874. Charakteristisch sind der orangerot leuchtende Lack, der zweiteilige, mittelbreit geflammte Boden sowie die feingemaserte Fichtendecke. Mit einer Korpuslänge von 406 mm zählt sie zu den sehr wenigen großformatigen Bratschen aus Vuillaumes Werkstatt: Nach Roger Millants Standardwerk über Vuillaume (1972) soll der Geigenbauer nur ein einziges Mal, 1858, eine Bratsche mit mehr als 400 mm Korpuslänge gefertigt haben – dieses Instrument gehört damit zu den seither bekannt gewordenen weiteren Beispielen dieses seltenen großen Modells.
Segelman erwarb die Bratsche 1961 bei Puttick & Simpson für 340 Pfund, zunächst ohne begleitendes Echtheitszertifikat, und ließ sie im Anschluss von W. E. Hill & Sons bestätigen. Bis heute liegen mehrere Zertifikate vor, zuletzt eines von Serge Boyer aus Paris von 2007. Bis auf kleinere Ausbesserungen an Kanten und Ecken sowie eine kleine, mit Säure oder dunkler Beize nachgebildete Maserung an der Zarge ist das Instrument weitgehend unrestauriert und befindet sich in ausgezeichnetem Zustand.
Vuillaumes Instrumente wurden bereits zu Lebzeiten von bedeutenden Solisten und Sammlern geschätzt. Seine Arbeiten zeichnen sich durch große klangliche Klarheit, unmittelbare Ansprache und eine außergewöhnlich sorgfältige Verarbeitung aus. Besonders seine Bratschen gelten heute als seltene und gesuchte Beispiele französischer Meisterwerkstätten des 19. Jahrhunderts.
Fotos: © Tarisio, New York
Viola
Giovanni Battista Gabrielli
Firenze, c. 1770
Die Bratsche von Giovanni Battista Gabrielli entstand um 1770 in Florenz und zählt zu den seltenen erhaltenen Arbeiten des bedeutenden florentinischen Geigenbauers des 18. Jahrhunderts. Mit einer Korpuslänge von 40,5 cm verbindet das Instrument klangliche Tiefe und Tragfähigkeit mit ausgewogenen Spieleigenschaften.
Gabrielli, geboren 1716 in Florenz und dort 1771 gestorben, gilt als führender Vertreter der florentinischen Geigenbauschule und war vermutlich Lehrer der Brüder Carcassi. Möglicherweise erhielt er seine Ausbildung in der Werkstatt Bartolomeo Cristoforis – besser bekannt als Erfinder des Hammerklaviers –, der zuvor bei den Amati in Cremona gearbeitet hatte, bevor er 1709 an den Hof der Medici nach Florenz kam. Anders als Cristoforis eher cremonesisch geprägte Arbeit orientierte sich Gabrielli konsequent am Vorbild Jakob Stainers, dessen Modell im Florenz des 18. Jahrhunderts tonangebend blieb.
Typisch für seine Instrumente sind die kraftvolle, aber selten übertriebene Wölbung, gut kontrollierte Proportionen sowie elegant geschnittene f-Löcher, die Elemente von Stainer und der italienischen Tradition miteinander verbinden. Er verwendete durchweg gutes Holz und einen transparenten, meist hellgelben bis rötlichen Lack. Seine Bratschen und Celli gelten unter Kennern als seine besten Arbeiten und werden bis heute besonders geschätzt.
Klanglich zeichnet sich die Bratsche durch einen warmen, dunklen Ton mit großer Resonanz und klarer Projektion aus. Die mittlere Größe des Instruments ermöglicht dabei eine bemerkenswerte Balance zwischen klanglicher Fülle und Beweglichkeit. Bratschen Giovanni Battista Gabriellis sind heute selten und werden sowohl für ihre handwerkliche Qualität als auch für ihre charaktervolle Klangsprache geschätzt.
Fotos: © Tarisio, New York
Viola
Philippe Girardin
Neuchâtel, 2009
Die Bratsche von Philippe Girardin entstand 2009 in Neuchâtel und steht exemplarisch für modernen europäischen Geigenbau auf höchstem handwerklichen Niveau. Girardin zählt zu den renommierten zeitgenössischen Geigenbauern der Schweiz und verbindet traditionelle Bauprinzipien mit einer klaren, eigenständigen Formensprache.
Mit einer Korpuslänge von 42,3 cm verfügt das Instrument über die klangliche Tiefe und Tragfähigkeit einer großen Konzertbratsche, bewahrt dabei jedoch eine bemerkenswerte Ausgewogenheit und Ansprache. Besonders geschätzt werden Girardins Bratschen für ihre warme Tonfarbe, ihre Klarheit und ihre große klangliche Flexibilität.
Die sorgfältige Auswahl der Hölzer sowie die präzise Abstimmung von Wölbung und Material verleihen dem Instrument eine differenzierte Klangpalette und große Ausdruckskraft – Eigenschaften, die Philippe Girardins Arbeiten international große Anerkennung eingebracht haben.
Violoncello
Matteo Gofriller
Venezia, c. 1720
Das Violoncello von Matteo Gofriller aus der Zeit um 1720 zählt zu den herausragenden Beispielen des venezianischen Geigenbaus des frühen 18. Jahrhunderts. Gofriller gilt als der bedeutendste Cellobauer der venezianischen Schule und prägte mit seinen Arbeiten nachhaltig die Entwicklung des modernen Violoncellos.
Geboren 1659 in Brixen in Südtirol, kam Gofriller vermutlich um 1685 nach Venedig, wo er die Werkstatt seines Schwiegervaters Martin Kaiser übernahm und bis zu seinem Tod 1742 arbeitete. Seine frühen Instrumente zeigen noch Spuren der süddeutsch-österreichischen Tradition, später jedoch eine so tiefe Vertrautheit mit dem italienischen Geigenbau, dass ihm zeitweise eine Ausbildung bei Stradivari oder Bergonzi nachgesagt wurde. Domenico Montagnana, der andere große Meister der venezianischen Schule, gilt als sein Schüler.
Charakteristisch für seine Instrumente sind die kraftvolle Modellierung, die großzügigen Wölbungen sowie der tief leuchtende rotbraune Lack. Besonders geschätzt werden Gofrillers Celli für ihren warmen, dunklen und zugleich außerordentlich tragfähigen Klang, der große klangliche Tiefe mit unmittelbarer Ansprache verbindet – Eigenschaften, die vor allem auf die niedrige, kraftvolle Wölbung und die breite Deckenfläche seiner meist großformatigen Celli zurückgehen. Viele davon wurden später für den modernen Gebrauch verkleinert.
Im Gegensatz zur stärker formalisierten Cremoneser Tradition besitzen Gofrillers Arbeiten oft eine freiere, individuellere Gestaltung, die ihren Instrumenten eine besondere Persönlichkeit verleiht. Berühmtheit erlangte vor allem ein Gofriller-Cello von 1733, das Pablo Casals von 1913 bis zu seinem Tod 1973 als Hauptinstrument spielte – lange Zeit fälschlich Bergonzi zugeschrieben. Auch Cellisten wie Emanuel Feuermann, János Starker, Pierre Fournier und Yo-Yo Ma spielten oder spielen Instrumente aus seiner Werkstatt.
Das Violoncello steht exemplarisch für die Blüte des venezianischen Geigenbaus im frühen 18. Jahrhundert und zählt zu den bedeutenden historischen Konzertinstrumenten seiner Epoche.
Violoncello
Riccardo Antoniazzi
Milano, 1894
Das Violoncello von Riccardo Antoniazzi aus dem Jahr 1894 entstand in der bedeutendsten Schaffensperiode des Mailänder Geigenbauers und zählt zu den charaktervollen Beispielen der modernen lombardischen Schule. Antoniazzi, geboren 1853 in Cremona als Sohn und Schüler des Geigenbauers Gaetano Antoniazzi, gilt als eine der prägenden Figuren des italienischen Geigenbaus des späten 19. Jahrhunderts und war maßgeblich an der Übertragung des Cremoneser Geigenbauwissens nach Mailand sowie an der Entwicklung der modernen Mailänder Schule beteiligt.
Das Instrument entstand in jener Zeit, in der Antoniazzi in enger Verbindung zur Werkstatt seines ehemaligen Schülers Leandro Bisiach arbeitete – seine produktivste und kreativste Periode, die bis etwa 1904 reichte. Da viele seiner Instrumente aus dieser Zeit unsigniert blieben oder unter dem Namen Bisiachs verkauft wurden, geriet Antoniazzis eigener Beitrag lange Zeit in den Hintergrund. Charakteristisch sind die kraftvolle Modellierung, die fein geschnittenen f-Löcher sowie der warme orange- bis rotbraune Lack, der zu den typischen Merkmalen seiner Arbeiten zählt.
Klanglich zeichnen sich Antoniazzis Celli durch große Tragfähigkeit, unmittelbare Ansprache und eine warme, kernige Tonfarbe aus. Dabei verbinden seine Instrumente die italienische Tradition des 18. Jahrhunderts mit einer freieren, persönlicheren Formensprache des späten 19. Jahrhunderts. Besonders Arbeiten aus den 1890er-Jahren gelten heute als Höhepunkt seines Schaffens.
Riccardo Antoniazzi war zudem Lehrer und wichtiger Einfluss für eine neue Generation Mailänder Geigenbauer, darunter Ferdinando Garimberti und Gaetano Sgarabotto. Ab 1904 arbeitete er schließlich für das Haus Monzino & Sons, bevor er 1912 in Mailand starb.
Auswahl weiterer Violoncelli:
Vincenzo Sannino Napoli, c. 1900
Attr. Giuseppe Rocca Torino
Nicolas François Vuillaume Bruxelles, 1862, No. 239
Charles Adolphe Gand Paris, 1846
Wilhelm Thomas Jaura Wien, 1899
Wilhelm Thomas Jaura Wien, 1919
Charles Adolphe Maucotel de Paris 1849
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