Adriana Gabrian spielt eine Violine von
Nicolò Amati
1662, Cremona
Die Violine von Nicolò Amati aus dem Jahr 1662 gilt als herausragendes Zeugnis der Cremoneser Geigenbaukunst und verkörpert die Blütezeit einer der einflussreichsten Werkstätten der Musikgeschichte. Nicolò Amati selbst zählt zu den prägenden Figuren der klassischen Cremoneser Schule: Als Lehrer beeinflusste er Generationen bedeutender Geigenbauer – darunter auch Antonio Stradivari – und legte damit den Grundstein für das „Goldene Zeitalter" des Geigenbaus.
Die Geschichte dieses konkreten Instruments lässt sich bis in die 1940er-Jahre zurückverfolgen: Der Londoner Händler Cyril Jacklin ließ die Violine 1941 zertifizieren und verkaufte sie 1942 für 500 Pfund an Gerald Segelman. Das Instrument gilt als ein sehr typisches und außergewöhnlich gut erhaltenes Beispiel von Amatis Schaffen, mit einem charakteristisch schmalen Boden und einem leicht ungewöhnlich langen Wirbelkasten.
Wie lebendig dieses Erbe bis heute ist, zeigt die Geigerin Adriana Gabrian: sie beschreibt den besonderen Charakter historischer Instrumente als musikalische Partnerschaft und vergleicht deren Möglichkeiten mit einem Hochleistungsfahrzeug: „Es fühlt sich an wie ein Ferrari – es gibt keine Limits.“
Fotos Amati: © Ingles & Hayday, London
Foto Adriana Gabrian: Daria Zavidonova
Dmitry Smirnov spielte eine Violine von
Jean-Baptiste Vuillaume
c. 1848-50, Paris
Jean-Baptiste Vuillaume (1798–1875) stammte aus einer alten Geigenbauerfamilie in Mirecourt und ging 1818 nach Paris, wo er sich rasch zum bedeutendsten französischen Geigenbauer des 19. Jahrhunderts entwickelte. Er verband handwerkliche Präzision mit einer intensiven Auseinandersetzung mit den großen italienischen Vorbildern, insbesondere Stradivari und Guarneri del Gesù, deren Modelle er in großer Zahl kopierte – teils so perfekt, dass selbst Kenner wie Paganini seine Kopien kaum von den Originalen unterscheiden konnten.
1855 erwarb Vuillaume aus dem Nachlass des Sammlers Luigi Tarisio 144 italienische Instrumente, darunter 24 Stradivari-Geigen, was ihn zum wichtigsten Instrumentenhändler Europas machte. Seine eigenen Arbeiten zeichnen sich durch einen kräftigen, rötlichen Lack und eine sorgfältige, oft an Guarneri oder Stradivari orientierte Verarbeitung aus. In seiner produktivsten Phase, den 1860er-Jahren, entstanden über 3.000 nummerierte Instrumente aus seiner Werkstatt.
Vuillaume-Instrumente werden bis heute von renommierten Musikerinnen und Musikern gespielt, etwa Hilary Hahn oder Joseph Joachim, und gelten als die bedeutendsten französischen Geigen des 19. Jahrhunderts überhaupt.
Amia Janicki spielt eine Violine von
Nicolò Amati
1645, Cremona
Nicolò Amati zählt zu den bedeutendsten Vertretern der Cremoneser Geigenbautradition. Als Enkel der Familie Amati führte er die Werkstatt fort und entwickelte in den 1640er-Jahren das sogenannte „Grand Pattern"-Modell mit größerer Wölbung und kraftvollerem Klang – eine Weiterentwicklung, die später auch seine Schüler Antonio Stradivari und Andrea Guarneri prägte.
Die hier gezeigte Violine von 1645 ist ein besonders breit gebautes Exemplar dieses Grand-Pattern-Typs. W. E. Hill & Sons verkauften sie 1945 an einen Mr Silverman, drei Jahre später erwarb sie Segelman im Januar 1948 von Voigt für 500 Pfund. Das Instrument ist bemerkenswert gut erhalten: Auf den ersten Blick zeigt sich kaum ein Makel, lediglich eine kleine Kittstelle, wo ein unachtsamer Vorbesitzer die Decke verkratzt hat – vermutlich durch ein Saitenhalter- oder Metallteil. Erst unter genauerem Licht werden zwei sorgfältig ausgeführte Reparaturen sichtbar: ein eiförmig geflickter Bereich unter dem Steg sowie etwa drei Quadratzentimeter neu eingesetztes Holz unter jedem Stegfuß – Spuren einer historischen, aber äußerst kunstvoll ausgeführten Instandsetzung, vermutlich von Hill selbst vorgenommen, als die Geige exakt 300 Jahre alt war.
Die Violine zeigt damit sowohl die kühne handwerkliche Gestaltung Amatis als auch die stillen, aber meisterhaften Eingriffe der Restauratoren, die sie über die Jahrhunderte bewahrt haben.
Fotos: © Ingles & Hayday, London
Anton Sorokow spielt eine Violine von
Alessandro Gagliano
c. 1740, Napoli
Alessandro Gagliano gilt als Begründer der neapolitanischen Geigenbauschule und markiert damit einen eigenständigen Weg innerhalb der italienischen Instrumentenbaukunst, der sich deutlich von den norditalienischen Cremoneser Werkstätten abhob. Er selbst behauptete, ein Schüler Stradivaris gewesen zu sein – ein Anspruch, der sich zwar nicht sicher belegen lässt, doch seine Instrumente zeigen eine kraftvolle, klar konturierte Bauweise mit warmem, direktem Klang, die bis heute geschätzt wird.
Die hier gezeigte Violine von etwa 1720 wurde vermutlich Ende 1942 von Segelman erworben, nachdem er über einen Artikel im Strad-Magazin auf sie aufmerksam geworden war – eine für Segelman typische Vorgehensweise, da er häufig gezielt Kontakt zu den Besitzern von in der Fachzeitschrift vorgestellten Instrumenten suchte. Zuvor gehörte die Geige unter anderem einem Mr Estall sowie einem Mr Jackson aus Gainsborough. Das Instrument trägt das Etikett „Alumnus Stradivarius" – ein Hinweis, der eher als Verweis auf eine Nachfolgeschaft denn als wörtliche Schülerschaft zu verstehen ist und dessen Echtheit ohnehin nicht gesichert ist.
Auffällig ist der ungewöhnlich schmale Korpus mit sehr langem Stimmstockabstand sowie ein breitgeflammter, einteiliger Ahornboden, der Vergleiche mit anderen bekannten Gagliano-Instrumenten nahelegt. Der sehr breite Kopf wird Januarius (Gennaro) Gagliano zugeschrieben. Trotz einer kleinen Beschädigung an der Decke unterhalb des Saitenhalters befindet sich die Violine insgesamt in beeindruckend gutem Zustand.
Gagliano begründete mit seiner Werkstatt eine bedeutende Geigenbau-Dynastie, die über mehrere Generationen das musikalische Leben Neapels prägte und bis heute als eigenständige Gegenposition zur Cremoneser Tradition gilt.
Fotos: © Ingles & Hayday, London
Lukas Plag spielt ein Violoncello von
Vincenzo Sannino
c. 1900, Napoli
Vincenzo Sannino wurde 1879 in Neapel geboren und studierte zunächst Violine am dortigen Konservatorium, bevor er sich – weitgehend autodidaktisch – dem Geigenbau zuwandte. Stilistisch beeinflusst wurde er vor allem durch Giovanni Tedesco. Entscheidend für seine Entwicklung war zudem die Begegnung mit dem deutschen Instrumentenhändler Fridolin Hamma, den er auf dessen Reisen durch Italien als Übersetzer begleitete – dabei erweiterte sich sein Blick über die neapolitanische Tradition hinaus auf verschiedene italienische Bauschulen. Charakteristisch für seine Instrumente sind die länglichen Wirbelkästen mit einer kleinen, zierlichen Schnecke, die hoch am Auge endet.
Das hier vorliegende Cello aus der Zeit um 1900 entstand damit in Sanninos früherer Schaffensphase in Neapel, bevor er sich später in seiner Karriere nach Rom verlagerte. Seine Celli gelten als besonders geschätzt für ihre klangliche Tiefe, direkte Ansprache und Vielseitigkeit – Eigenschaften, die sie sowohl für das solistische als auch für das kammermusikalische Repertoire attraktiv machen, und die die traditionelle neapolitanische Bauweise mit einem eigenständigen, von unterschiedlichen italienischen Vorbildern geprägten Stil verbinden.
Fotos Sannino : © Tarisio, New York
Foto Lukas Plag: Zuzanna Specjal
Philipp Krylov spielt eine Violine von
Nicolò Amati
1666, Cremona
Die Violine von Nicolò Amati aus dem Jahr 1666 zählt zu den eindrucksvollen Beispielen der späten Cremoneser Schule und besticht vor allem durch ihr außergewöhnlich geflammtes Ahornholz an Zargen, Wirbelkasten und Schnecke – eine Eigenschaft, die durch die etwas flacher als sonst bei Amati gearbeitete Oberfläche der Wirbelkastenseiten von vorne besonders zur Geltung kommt. Der spätere Kopfaufsatz fügt sich dabei nahtlos in das Original ein.
Zu den früheren Besitzern zählte 1943 Walter Rilla in London, der die Geige über W. E. Hill & Sons erwarb – ein weiterer Verkauf während der Kriegsjahre. 1952 gelangte das Instrument zunächst an Gerald Segelmans Bruder Oscar, der zwar ebenfalls Interesse an Musik hatte, jedoch – anders als Gerald – deutlich mehr für Concertinas als für Geigen übrig hatte. Noch im selben Jahr wechselte die Violine dann in Geralds eigene Sammlung.
Das Instrument war 1996 Gegenstand eines ausführlichen Fachartikels von John Dilworth im Strad-Magazin, der Ausarbeitung, Wölbung, Holzwahl und Lack eingehend würdigte; zur selben Ausgabe erschien zudem ein großformatiges Poster der Geige. Trotz einiger sichtbarer Altersspuren – darunter größere ausgebesserte Wurmlöcher im Boden sowie ein reparierter Bassbalkenriss in der Decke – befindet sich die Violine insgesamt in einem beachtlich guten Zustand mit sauber erhaltenen Rändern.
Eva Ter-Sarkisova spielt eine Violine von
Giovanni Battista Rogeri
1703, Brescia
Giovanni Battista Rogeri zählt zu den bedeutendsten Vertretern der Brescianer Geigenbauschule und steht für die eigenständige Weiterentwicklung des italienischen Geigenbaus außerhalb der großen Zentren Cremona und Neapel. Vermutlich um 1670 in der Werkstatt Nicolò Amatis ausgebildet, übertrug er die dort erlernten Prinzipien auf seine Tätigkeit in Brescia und entwickelte daraus einen unverwechselbaren Stil. Seine Instrumente verbinden die Eleganz der Amati-Tradition mit kräftigeren Proportionen und einer robusten Bauweise; charakteristisch sind dabei insbesondere die schmalen Schnecken sowie Modelle unterschiedlicher Größe.
Die hier gezeigte Violine von 1703 gehört zu Rogeris größeren Modellen und wurde am 2. Juli 1943 über W. E. Hill & Sons von Gerald Segelman erworben. Zuvor befand sie sich im Besitz der Familie Scott Moncrieff, später eines nicht namentlich bekannten Sammlers. Das Instrument wurde zudem in Walter Hammas Meister Italienischer Geigenbaukunstabgebildet, dort jedoch irrtümlich auf 1702 datiert; 1997 widmete John Dilworth der Violine im Strad-Magazin einen ausführlichen Fachartikel.
Die Violine weist zahlreiche fachgerecht ausgeführte Restaurierungen auf, darunter einen ergänzten Wurmgang im Boden, einen teilweise angesetzten Wirbelkasten, mehrere reparierte Deckenrisse sowie einen ausgebesserten Stimmstockriss. Auffällig sind darüber hinaus die originalen Spielspuren im Bereich der Decke und der weitgehend erhaltene originale Randverlauf. Trotz ihres vergleichsweise geringen Lackerhalts befindet sich das Instrument insgesamt in einem bemerkenswert guten Erhaltungszustand und gilt, auch nach Einschätzung von W. E. Hill & Sons, als außergewöhnlich gut erhalten für sein Alter.
Rogeris Violinen werden bis heute für ihren warmen, tragfähigen und zugleich fokussierten Klang geschätzt, der sowohl im kammermusikalischen als auch im solistischen Repertoire überzeugt. Seine Arbeiten stehen beispielhaft für die Verbindung der Cremoneser Tradition mit einer eigenständigen Brescianer Ausprägung und zählen zu den herausragenden Zeugnissen der italienischen Geigenbaukunst um 1700.
Fotos: © Ingles & Hayday, London