Segelman Trust London

Die Maggini-Stiftung verwaltet die weltberühmte Sammlung des Londoner Sammlers Gerald Segelman (1899–1992), die sich heute im Besitz des Segelman Trust UK befindet. Die Sammlung umfasst 28 Geigen, eine Bratsche und zwei Celli bedeutender italienischer und französischer Geigenbauer und zählt zu den außergewöhnlichsten privaten Streichinstrumentensammlungen des 20. Jahrhunderts. Ergänzt wurde sie durch einen ebenso beeindruckenden Bestand an historischen Meisterbögen.

Gerald Segelman wurde als Sohn österreichisch-jüdischer Einwanderer in Leeds geboren. Bereits als Kind zeigte er Interesse an Musik, wurde jedoch kein Berufsmusiker, sondern erfolgreicher Geschäftsmann. Sein Vermögen erwirtschaftete er zunächst im Kinogeschäft, das er gemeinsam mit seinen Brüdern aufbaute und später mit eigenen Häusern fortführte. Vermutlich aus dem Namen einer seiner späteren Firmen entstand sein bekanntes Pseudonym: In der Öffentlichkeit trat der stets zurückhaltende Sammler als „Mr Black" auf, unter dem auch seine Auktionsrechnungen ausgestellt wurden.

Gerald Segelman (1899–1992), bekannt in der Geigenwelt unter dem Pseudonym »Mr Black«.

Die Sammlung

Ab den frühen 1940er-Jahren begann Segelman mit bemerkenswerter Intensität, bedeutende Streichinstrumente zusammenzutragen – innerhalb weniger Jahre kamen zahlreiche Werke von Stradivari, Guarneri, Amati und vielen weiteren bedeutenden Geigenbauern zusammen. Sein Interesse galt dabei weniger dem repräsentativen Besitz als der handwerklichen und klanglichen Qualität der Instrumente selbst. Wie groß seine Sammlung insgesamt war, lässt sich bis heute kaum genau bestimmen, da er ständig kaufte, verkaufte und tauschte und seine Unterlagen sehr chaotisch und teils verschlüsselt führte.

Besonders hervorzuheben ist die sogenannte »Rode«-Violine von Antonio Stradivari, Cremona 1722, eines der berühmtesten Instrumente der Sammlung. Zu ihren späteren Besitzern gehörten unter anderem der französische Geiger Pierre Rode und der Geigenbauer Nicolas Lupot. Segelman erwarb die Violine 1954; seit 2015 befindet sie sich als langfristige Leihgabe des Segelman Trust im Ashmolean Museum in Oxford.

Historischer Zeitungsausschnitt über den anonymen Sammler »Mr Black«, unter dessen Namen Gerald Segelman über Jahrzehnte auftrat.

Persönlichkeit

Segelman war kein typischer Sammler seiner Zeit: zurückhaltend, öffentlichkeitsscheu und trotz beträchtlichen Vermögens von auffallend bescheidenem Auftreten. Im Alter zog er sich zunehmend zurück und lebte, obwohl er mehrere Immobilien besaß, sehr einfach. Über Jahrzehnte begleitet wurde er von seiner Lebensgefährtin, die zugleich als seine Sekretärin fungierte. Daneben interessierte er sich auch praktisch für den Geigenbau und fertigte selbst einige Instrumente an, wenn auch mit bescheidenerem handwerklichem Erfolg als seine Sammlung vermuten ließe.

Unter seinem Pseudonym veröffentlichte Segelman ab den 1970er-Jahren mehrere Beiträge in der Fachzeitschrift The Strad, in denen Instrumente aus seiner Sammlung vorgestellt wurden. Seine Begeisterung galt dabei stets dem Instrument selbst – seiner Geschichte, seinem Klang und seiner handwerklichen Qualität. Im Jahr 2009 erschien das Buch Mr Black's Violins – The Extraordinary Obsession of Gerald Segelman von Andrew Hooker, das die Instrumente der Sammlung in hochwertigen Fotografien dokumentiert und zugleich die faszinierende Geschichte eines der bedeutendsten Geigensammler des 20. Jahrhunderts erzählt. Dieses außergewöhnliche Buch ist bei der Maggini-Stiftung erhältlich.

Antonio Stradivari, 1722, Cremona | »Rode«
Fotos: © Tarisio, New York